Sonntag, 5. Juni 2016

Riksha

Es ist, wie gesagt, nicht immer einfach in Pakistan von A nach B zu kommen. Schwierig ist es auch nicht. Schwierig ist nur, dass, je laenger man darueber spricht, immer mehr Leute involviert sind. Am Ende schreibe ich 3 Menschen eine sms, dass ich gut angekommen bin, und rufe eine vierte Person an. Auch wenn es sich nur um zehn Minuten Rikshafahrt handelt.

Man muss dazusagen, dass es nicht besonders angesehen ist, eine Riksha zu nehmen. Das machen nur Leute, die entweder keinen Fahrer haben oder keine Freunde, die sie abholen. Oder Reisende wie ich, die es aber kaum gibt. Gesagt getan. Ich rufe also den Rikshafahrer meines Vertrauens an (das ist schonmal besser, als ‘irgendjemand’ anzuquatschen), dass er mich abholen kommt. Meine Freundin malt mir eine Karte, damit ich auch weiss, wo ich bin – just in case. Der Fahrer kommt und wir brettern los. Wir quatschen ein bisschen auf Urdu, ich bin wieder Christ, weil er auch Christ ist und sich darueber freut und ich schweige wieder, um auch nicht zu nett zu sein. Er haelt seine Hand raus zum Abbiegen. Auf meiner Karte zeigen die Pfeile nach rechts. Wir biegen links ab. Ich warte. Versuche die Strassenschilder zu lesen, hoffe auf einen U-turn, warte. Vertrauen, Maria! ‘Also…’, denke ich und ueberlege, ob es sich lohnt, mit dem Rikshafahrer ueber den Weg zu diskutieren. Doch da biegt er auch schon wieder links ab - ein bisschen mehr in meine Richtung. ‘DHA’ Lese ich auf den Schildern und bin beruhigt. Kleine Muellfeuer brennen am Strassenrand, Kamele grasen zwischen Rikshas. Ich halte meinen Rucksack fest, dass er nicht rausfaellt und versuche gleichzeitig das Kopftuch (Dupatta) ueber den Haaren zu lassen waehrend der Wind es fortreisst. Heimlich mache ich Bilder von der Strassenszene. Heimlich, weil ich nicht auffallen will und weil ich, wenn ich schon auffalle, nicht die sein will, die einfach nur Fotos macht. Manchmal lohnt es sich nicht, an spaeter zu denken. Die Bilder verwackeln, wir sind fast da.  Wo genau das ‘Gloria Jeans Coffee’ ist, weiss ich nicht. Wir fragen bei einem Kino nach. ‘Frag nicht die Leute am Eingang, die wissen nichts’, sagt der Fahrer. Ich frage die Leute am Eingang: ‘Assalamu'aleikum, …” – Schulterzucken. Und die uebliche Verwunderung darueber, dass seine Frau alleine irgendetwas fragt. Schuechterne Blicke, Laecheln, Blicke zum Boden (auch meine). Mein Fahrer taucht hinter mir auf und wir fragen an der Kasse. ‘Gloria Jeans? Da lang, da lang, da lang und da lang’, sagt er mit einer fliessenden Handbewegung. Wir fahren wieder los. Er ist sehr freundlich und geduldig, wie ich finde. Am Ende rufen wir eine der vier Nummern an, um nochmal genau zu erkunden, wo es ist. Es klappt, wir kommen an. Wie konnte ich auch denken, dass es nicht so waere? Ich bezahle, schreibe 3 sms und freue mich auf den ersten Kaffee in zweieinhalb Wochen.

Ich liebe Rikshafahren! Man fuehlt sich so selbststaendig. Man sieht so viel Stadt, ohne gesehen zu werden. Man kann dem Fahrer sagen, er solle kurz anhalten, um Wasser zu holen oder etwas Handyguthaben. Alles Sachen, die ich alleine nicht so einfach kriegen kann. Ich bin immer ein bisschen stolz, wenn ich angekommen bin - es ist wie Erwachsenwerden an einem Tag.

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